Monats-Archive: Oktober 2007

Suchmaschinenreport für 15 Länder

Der “Global Search Report” ist eine jährlich erscheinende Kompilation von Statistiken zur PPC- und Suchmaschinennutzung aus Ländern rund um die Welt (damit ist gemeint, dass die USA dabei nicht gemeint ist). Das Ziel des Reports ist es Marktprofile und Marktdaten zu sammeln, die über den Tellerrand der gemeinhin gut durchleuchteten USA/Großbritannien-Sphäre hinaus schauen und damit grundlegende Informationen für diejenigen bereit zu stellen, die an “multilingualem Marketing” interessiert sind. Den Report kann man bei e3internet als PDF herunterladen.

Wie global der Report nun tatsächlich ist, mag bei 15 teilnehmenden Nationen jeder für sich entscheiden. Die enthaltenen Informationen sind natürlich dennoch interessant. Statt hier eine nackte Länderliste abzutippen habe ich hinter dem Landesnamen den jeweilig genannten Marktanteil von Google angefügt. Augenfällig finde ich die Marktdominanz von Google besonders in Mitteleuropa.

Niederlande 94%
Deutschland
93% (Deutschland ist nicht im Report)
Israel 90%
Bulgarien 90%
Portugal 90%
Großbritannien 82%
Dänemark 80%
Island 51%
Spanien 47,7%
Russland | Ukraine 25,1%
Tschechien | Slowakei 24,75%
China 21,7%
Estland 20%
   
Italien
Japan
Süd Korea
(keine Daten)
(2. Platz ohne Zahlen)
(Google spielt hier keine Rolle)
   

Da Deutschland nicht im Report dabei ist, habe ich die entsprechenden Daten zum bequemen Vergleich mal zusammen gestellt:

Bevölkerung: 82,3 Millionen (Quelle Wikipedia)
Internetuser geschätzt: 50,2 Millionen
Internet Penetration: 61% (Quelle Heise)

Google dominiert den deutschen Suchmaschinenmarkt mit einem Marktanteil von 89,7%. Da die Dienste AOL und T-Online ebenfalls Google-Daten für ihre Suchmaschinen-Angebote nutzen müssen deren Ergebnisse im Prinzip zu denen von Google hinzuaddiert werden. Dies betrifft auch Freenet, die noch einen Marktanteil von 0,3% einbringen. Aufaddiert kommt Google also auf einen Marktanteil 93%. Damit sind andere Dienste faktisch nur noch “unter ferner liefen” zu kategorisieren und Google kommt in Deutschland – auch im Vergleich zu anderen Ländern – eine ungeheure Marktmacht zu. Im letzten Jahr lag Googles Marktanteil noch bei 90,3%.

Was die PPC Coverage angeht habe ich keine konkreten Zahlen bzw. bezifferte Marktanteile finden können. Ich gehe davon aus, dass Google auch hier hochprozentig dominiert. Wobei anzumerken ist, dass der deutsche Markt für Online-Werbung eben erst in der Aufwachphase ist.

Wie du deinen Webserver vor Angriffen schützt

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) hat am 11.10.07 eine Publikation veröffentlicht, die detaillierte Tipps dazu gibt, wie man Webserver widerstandsfähiger gegen potentielle Attacken machen kann. Das Dokument mit dem Titel “Guidelines on Securing Public Web Servers“, deckt einige der letzten Threats und erläutert generelle Änderungen in der Webtechnologie, die es seit der Veröffentlichung der letzten Version vor 5 Jahren gegeben hat.

Im Anhang des immerhin 142 Seiten umfassenden Dokuments findet man übrigens umfangreiche Quellenangaben, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema einladen, außerdem viele Hinweise zu empfehlenswerter Software (vielfach kostenlos) und eine interessante Sammlung Checklisten.

Der Guide richtet sich eigentlich an us-amerikanische Regierungsstellen und Behörden, ist aber nichtsdestotrotz auch für den lernwilligen Otto-Normal-Webserverbetreiber mal einen Blick wert und für denjenigen, der sich beruflich mit dem Thema beschäftigt – schon allein wegen der Checklisten und der Quellensammlung – IMHO unverzichtbar.

small business internet marketing

Da lese ich gestern beim marketing pilgrim über die Gründe warum kleine Unternehmen nicht in Online Marketing investieren und staune eigentlich gar nicht. Ich stelle nur – mal wieder – fest, dass wir in Deutschland dem us-amerikanischen Markt um Lichtjahre hinterher hinken.

Da wird beklagt, dass nach einer Studie von Opus Research 25% nicht in Online Marketing investieren, weil sie zu hohe Kosten fürchten und weitere 20% sind von der Technik eingeschüchtert oder haben keine Mitarbeiter, die dafür abgestellt werden können. Insgesamt 59% der Befragten gaben an, dass sie kein Onlinemarketing betreiben.

Aber wie sieht das in Deutschland aus?

In der c’t war im Januar zu lesen, dass in Deutschland 73% der Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitern zumindest eine Internetpräsenz im Web haben. Immerhin! Allerdings dürfte hierzulande der Anteil derjenigen, die sich zu irgendeiner Form des Online Marketing durchringen noch sehr viel geringer sein.

Eine Marktstudie von tagworx im August sagt sehr deutlich, dass der Großteil der Unternehmen ihren Webauftritt ausschliesslich als digitale Visitenkarte nutzt. Den in der Studie begutachteten Seiten wird dazu noch wenig schmeichelhaft bescheinigt, dass sie selbst geringsten technischen und optischen Standards kaum entsprechen. “Wir mussten feststellen, dass – von einigen Ausnahmen abgesehen – der überwiegende Teil der begutachteten Seiten nicht über unterstes Amateurniveau hinauskommt”, so Adelbert Ilg vom Büro für visuelle Kommunikation.

Mächtige Defizite gibt es laut der Studie auch im Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Wohingegen in den USA die Suchmaschinenoptimierer eine eigene Branche und damit einen eigenen Wirtschaftszweig darstellen, ist hierzulande – ausserhalb der hochgradig webaffinen Gemeinde – kaum der Begriff bekannt. Natürlich lassen die Key Accounts auf dieser Klaviatur bereits spielen, aber davon die KMUs zu erreichen ist das Konzept IMHO noch weit entfernt.

Die Zahlen die Tagworx nennt sprechen Bände:

Auffindbarkeit Suchmaschinen:

Branchenspezifische Schlüsselwörter nicht gefunden: *100,0%
Branchenspezifische Phrasen nicht gefunden: *86,0%
Unternehmensspezifische Schlüsselwörter nicht gefunden: *69,2%
Unternehmensspezifische Phrasen nicht gefunden: *62,2%
Adwords-Kampagnen nicht gefunden: *99,3%

*Seite 1-10 im Suchmaschinenindex (Google, MSN, Yahoo)

Die letzte Zahl deutet es schon an: wen die Auffindbarkeit des eigenen Internetauftritts nicht kratzt, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch keine Schritte in Richtung SEM unternommen haben und dabei halte ich Adwords noch für die am leichtesten zugängliche Form.

Es würde mich ernsthaft interessieren wie weit wir mit dieser Situation dem us-amerikanischen Markt tatsächlich hinterherhinken.

In der täglichen Arbeit eines Webworkers, der nicht in der Liga der Key Accounts spielt, sondern kleine bis mittlere Unternehmen mit Webangeboten versorgt, bedeutet dies einen enormen Beratungsaufwand. Andererseits bedeutet es aber auch, dass der Markt noch eine Menge Raum bietet und wir über den Prozess des Claimabsteckens noch bei weitem nicht hinaus sind. ;-)

Radiohead: 1,3 Millionen Downloads in 2 Tagen

So wie es aussieht zeigt die britische Gruppe Radiohead derzeit der Musikindustrie grinsend den Mittelfinger. Das Konzept – den Fan/Hörer den Preis bestimmen zu lassen – scheint aufgegangen zu sein. Bereits in den ersten beiden Tagen sollen furiose 1,3 Millionen Downloads erfolgt sein. Wow!

Natürlich muss man im Hinterkopf behalten, dass es sich bei Radiohead nicht um eine No-Name-Band handelt und dass sie wahrscheinlich ihre Popularität maßgeblich mit Hilfe der Musikindustrie aufgebaut haben. Desweiteren haben sich die Pressemeldungen zum neuen Geschäftsmodell geradezu überschlagen und damit verbunden gab es eine Menge kostenlose PR. Trotzdem zeigt der Erfolg an was möglich ist und wo die Musik-Reise in Zukunft hinführen könnte.

Wie Radiohead Gitarrist Jonny Greenwood vor ein paar Tagen gesagt hat, ist es nicht die Absicht der Band eine Revolution zu starten und ihre Musik zu verschenken. Vielmehr soll verhindert werden, dass die Musik lange vor dem offiziellen Release des Albums (Anfang 2008) auf Tauschbörsen verramscht wird. Radiohead baut darauf, dass ihre Musik trotzdem genug Fans dazu bewegt auch das qualitativ hochwertigere physische Produkt zu kaufen.

Nun denn, ein Kommentator auf alleyinsider hat eine schnelle Rechnung aufgemacht. Wenn es tatsächlich 1,3 Millionen Downloads gab und die Hälfte der Käufer (650.000) im Schnitt 8 Dollar bezahlt hat, dann kommt man auf sagenhafte 5,2 Millionen Dollar in 2 Tagen. Dieser Verdienst würde normalerweise (bei einem Durchschnittsverdienst von 1-2 Dollar pro Album) den Verkauf von 2,6 – 5,2 Millionen Alben voraussetzen. So gesehen wäre dies ein mächtiger Erfolg für Radiohead und ein mächtiger Verlust für EMI.

Was man aus diesem Erfolg für die Zukunft der Musikindustrie ableiten kann bleibt IMHO noch offen. Es zeigt jedoch ein weiteres Mal, dass die derzeitigen Konzepte bei weitem nicht ausreichen den Musikmarkt auf Dauer dominieren zu wollen.

Visualisierung des globalen Webtraffics

Dass es ein DIMES-Projekt gibt habe ich eben erst erfahren und würde es wohl an sich auch nicht besonders spannend finden, wenn nicht ein Student namens Chris Harrison eine Visualisierung der Daten veröffentlicht hätte.

Chris Harrison ist Student am Human-Computer Interaction Institute der Carnegie Mellon University in Pittsburgh und hat Karten ins Netz gestellt, die die geografische Verteilung des weltweiten Internetverkehrs veranschaulichen. So wird nicht nur die globale Dichte der Verbindungen gezeigt, sondern auch die Dichte zwischen großen Städten (weltweit) sowie die Dichte zwischen Städten in den USA und Städten in Europa.

Natürlich sind die Ergebnisse einigermaßen vorhersehbar. Der Schwerpunkt der Internetwelt liegt in den USA und Europa. Trotzdem finde ich es interessant dies in Bildern schwarz auf weiß – bzw. in diesem Fall weiß auf schwarz zu sehen.

Das Dimes-Projekt (Distributed Internet Measurements & Simulations), das die zugrunde liegenden Daten zur Verfügung gestellt hat, beschäftigt sich mit der Kartographie des Internets. Es werden Daten zur Topologie und Struktur gesammelt z.B. um Schwachstellen aufzufinden oder gute Serverstandorte zu bestimmen.

Wer sich weitere Visualisierungsprojekte von Chris anschauen möchte, folgt dem Link. :-)