Die Bemühungen dem Wikipedia-Vandalismus ein Ende zu setzen führen nun offenbar dazu, dass die freie Editierbarkeit ersetzt wird mit einer Freigabetechnik durch “trusted editors” (vertauenswürdigen Editoren). Wie Spiegel und Telegraph berichten, soll die deutsche Ausgabe der Wikipedia für diese einschneidenden Änderungen den “BETA-Test” machen und im Erfolgsfall wird die Praxis auf weitere Länderversionen übertragen werden.
Bisher war es jedem Nutzer möglich Artikel der Wikipedia zu editieren und das Ergebnis auch sofort zu sehen. In Zukunft sollen Änderungen zunächst in eine Warteschleife geschickt werden und müssen dann von einem “Trusted Editor” abgesegnet werden. Nach Angaben des NewScientist sollen ca. 2000 Trusted Editors “installiert” werden und man qualifiziert sich dazu mit sehr reger Teilnahme als Editor. Hier ist die Rede von 30 Edits in den letzten 30 Tagen.
Huch! Ich kann nicht nachvollziehen was einen Hochfrequenz-Editierer besonders vertrauenswürdig machen soll.
Ein weiterer Ansatz den Vandalismus in Schach zu halten ist ein automatisiertes Rating-System. Eine Software die an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz, entwickelt wurde, bewertet automatisiert die Reputation bzw. den Ruf von Editoren und den Trust von Artikeln.
Ich unterstütze sicherlich die Bemühungen den Vandalismus einzuschränken – no debate. Den geplanten Änderungen stehe ich allerdings sehr kritisch gegenüber, weil ich befürchte, dass mit dem “Installieren” von Editoren, die gleicher als gleich sind und dem Hinzufügen einer Trust-Hirarchie anderen Formen von Mißbrauch Tür und Tor geöffnet werden.
Vielleicht wird es keine Edit-Wars mehr geben, aber mir kommt das ewige “Quis custodiet ipsos custodes?” in den Sinn:
Wer überwacht die Wächter?
Der Ansatz zweifelhafte Editoren mit dem WikiScanner der Öffentlichkeit preiszugeben gefällt mir da eigentlich viel besser.
Nicht zuletzt weil es einen gewissen Unterhaltungswert hat.
Oder hat es bereits begonnen?
Einige deutsche Webkataloge (z.B. Linkheim, Retort) wurden bereits abgestraft oder gänzlich aus dem Index von Google gekickt. Im Abakus Forum wird das Thema seit dem 13.9. in bereits knapp 200 Beiträgen diskutiert.
Rand Fishkin hat gestern eine Liste von 31 amerikanischen Webverzeichnissen gepostet, die nicht mehr im Index zu finden sind bzw. nur noch mit dem vollen Domainnamen gefunden werden. In den Kommentaren zu einem Post auf Shpinn ist sogar die Rede von über 60 amerikanischen Webkatalogen auf die dies zutrifft. Gegenüber diesen Zahlen scheinen die Abstrafungen im deutschsprachigen Web noch harmlos und punktuell, aber ich denke das ist nur eine Frage der Zeit.
Sowohl bei Sphinn als auch bei seomoz ist man sich derweil relativ einig, dass es sich bei den Abstrafungen um Handarbeit handelt, d.h. manuelle Eingriffe von Google-Personal.
Die genaue Anzahl der bestraften Verzeichnisse könnte noch weitaus höher liegen. Es wird ebenfalls spekuliert, ob die Einschränkung, Beschneidung oder Entfernung der Fähigkeit Pagerank zu vererben eine weitere Bestrafungsvariante sein könnte. Da dies natürlich nicht so leicht festzustellen ist, kann es darüber auch keine Zahlen geben.
Rand listet in seinem Beitrag “12 Merkmale von offensichtlich manipulativen Verzeichnissen” deren Überschriften ich gerne quick & dirty übersetzen will:
1. Allgemein in der Ausrichtung
2. Jeder kommt rein
3. Marketing an Webmaster gerichtet
4. Es wird mit dem Linkwert (PR) und nicht dem Traffic geworben
5. Einsatz von manipulativem Linkaufbau
6. Link Stuffing und Content Stuffing um natürlich zu wirken
7. Einrichtung von “Premium” Sponsoren
8. Querverlinkung mit anderen Verzeichnissen
9. Allgemeine beliebte Links
10. Anbieten von Links
11. Mehrere Links mit Wahl des Ankertextes
12. Bannerwerbung des Kataloges auf SEO-Seiten
Wer es genauer wissen möchte, dem kann ich den oben verlinkten Artikel nur wärmstens empfehlen. Es werden auch Tipps für reformwillige Katalogbetreiber gegeben.
Ich gehe davon aus, dass Google in der Tat in naher Zukunft dem Webverzeichnis-Wildwuchs zu Leibe rücken wird und die Entwicklungen in den USA werden – früher oder später – auch das deutschsprachige Web erreichen.
Im Artificial Intelligence Lab der University of Arizona werden im “Dark Web” Projekt Methoden erforscht und getestet mit denen Extremisten und Terroristen online identifiziert und verfolgt werden können. Eine Pressemitteilung der NSF (National Science Foundation) vom 10.09.07 gibt interessante Einblicke und lässt Rückschlüsse auch auf die zukünftigen Entwicklungen der “normalen” Suchmaschinen zu.

Finanziert wird das Projekt von der NSF (Urheber der Pressemitteilung) und weiteren Regierungsorganisationen. Das verfolgte Ziel ist das systematische Finden, Sammeln, Katalogisieren und Analysieren von allen Inhalten die von Terroristen im Web generiert werden.
Die Techniken die man hierfür benutzt und voranbringen will beinhalten unter anderem den Einsatz von Spidern, Linkanalyse, Inhaltsanalyse und Urheberschaftsanalysen sowie Methoden Inhalte nach emotionalen Zuständen (!) zu analysieren.
Eines der entwickelten Tools mit dem Namen Writeprint, extrahiert automatisch tausende multilinguale, strukturelle und semantische Merkmale um festzustellen wer online anonyme Inhalte erstellt. So kann beispielsweise ein Eintrag in einem Forum mit anderen Texten im Web verglichen werden und aufgrund der Analyse der Merkmale kann mit mehr als 95-prozentiger Sicherheit festegestellt werden ob der Autor bereits in der Vergangenheit weitere Inhalte veröffentlicht hat. Das System kann ebenfalls sowohl die Analysten alarmieren sobald neue Inhalte dieses Autors im Web auftauchen, als auch festellen wo im Internet diese Inhalte kopiert, verlinkt und diskutiert werden.
Innerhalb des “Dark Web Portals” wurden bereits 500.000 Webseiten von 94 amerikanischen Gruppen, 300.000 Webseiten von 41 arabisch-sprachigen Gruppen und 100.000 Webseiten von spanisch-sprachigen Gruppen gesammelt. Die Sammlung wird fortlaufend erweitert.
Weitere Laboranwendungen die betrieben werden sind
Weitere Informationen zu Zielen, Techniken, Finanzierung und zur Methodik kann man auf der Seite des AI Labs nachlesen. Es gibt sogar einen Demobereich in dem man sich Screenshots der Anwendungen ansehen kann.
Die Informationen haben einerseits natürlich einen politischen Aspekt und können mit den Entwicklungen und Ambitionen hier in Deutschland in Beziehung gesetzt werden. Ich muss zugeben, dass mir in diesem Kontext z.B. der Bundestrojaner als völlig hinterwäldlerisch erscheint. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass er deshalb harmlos wäre oder wir ihn deshalb hinnehmen müssten.
Der zweite Aspekt ist eine SEO-Sicht auf das Thema. Während wir hier noch diskutieren ob der Pagerank abgeschafft wird oder ob Google gekaufte Links erkennen kann, bekommen wir einen kleinen Einblick in Google 3.0. Wenn ich mir die Finanzierungssummen anschaue, die das AI Lab nennt, dann sind das Beträge die Google aus der Portokasse bezahlt und es gibt keinen Grund warum solche Technologien nicht auch auf andere “Zielgruppen” angewendet werden könnten.
Am Ende meines Posts weiß ich gar nicht was mir mehr Angst macht.
Die Vorstellung eines privaten Unternehmens mit Quasi-Monopolstellung und Zugriff auf die nötige Datenbasis, dass diese Techniken für seine Gewinnmaximierung einsetzt….
oder eine Regierung die unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung ihre Bürger nach Belieben durchleuchten und deren Bürgerrechte durchlöchern kann. (sigh)
Die großen SEOs dieser Welt haben es uns eingebleut immer aussagekräftige Linktexte zu verwenden und kein unprofessionelles “hier klicken” übrig zu lassen. Haben wir – vor lauter Jagd nach themenrelevanten Backlinks – etwa die User vergessen? Und kommt Google nach Umwegen vielleicht bald auch zu dem Schluß?
Copyblogger , der das Web aus einer Werbe- und Marketingperspektive betrachtet, präferiert für sich schon immer Linktexte die zu einer Aktion auffordern. Seine durchaus nachvollziehbare Argumentation ist folgende:
Wenn Du jemanden dazu kriegen willst etwas bestimmtes zu tun, dann fordere ihn möglichst präzise dazu auf genau
das zu tun.
Dieser Argumentation folgend ist ein “hier klicken” sicher effektiver als ein Linktext der keinen Aufforderungscharakter hat. Mal ganz abgesehen davon dass es noch Zeitgenossen gibt, die Links nicht auf Anhieb als solche erkennen und abgesehen davon, dass es Layouts/Themes gibt, die einem die Erkennung von Links nicht eben leicht machen. ![]()
In diesem Zusammenhang spielt es natürlich eine Rolle wie erfahren die Zielgruppe ist, denn ich nehme an, dass webaffine Menschen doch eher auf Links klicken, die eine Auskunft über ihr Ziel geben.
Copyblogger belegt seine Überzeugung mit einem Test von Marketing Sherpa bezüglich Klickraten auf Emaillinks. Das Ergebnis war eine Steigerung der Klickraten um 8 Prozent bei einem Linktext mit einer klaren Aufforderung. Diese Zahl mag – sofern sie überhaupt von Newslettern auf Webseiten übertragbar ist – große Seiten bzw. deren Betreiber erfreuen… mich lassen 8% momentan ziemlich kalt.
Eine weitere interessante Entdeckung machte kürzlich Alex Brainbridge. Er geht der Frage nach inwieweit man das Vorhandensein von “hier klicken”-Links auf einer Webseite mit der Qualität und Aktualität dieser Seite in Relation setzen kann. Oder anders gesagt: können diese Links ein Indikator für veraltete und/oder schlecht gemanagte Seiten sein.
Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Seiten mit der geringsten “hier klicken”-Dichte diejenigen sind, die nach modernen Gesichtspunkten erstellt, gut gemanaged und erfolgreich sind.
Okay…dann wären wir wieder am Anfang… da wo wir aus SEO-Gesichtspunkten sinnvolle Linktexte vergeben (lassen).
Wäre da nicht der ausgesprochen interessante Ansatz von Joost de Falk. Er stellt die These auf, dass das Vorhandensein von Linktexten wie “hier klicken”, “weiter” oder auch der URL ein Indiz für ein natürliches Linkprofil sind. Dass Keyword- oder Keyphrase Linktexte durchaus variantenreich sein müssen um natürlich zu wirken war mir ja bereits klar. Der Gedanke dass Google eingestreute “hier klicken” Links als ausgesprochen natürlich ansieht ist für mich genauso neu wie überzeugend. Vor allem gemessen an der Tatsache, dass das deutschsprachige Web dem englischsprachigen hinterher hinkt und ich einfach mal annehme, dass bei uns noch viel mehr “hier klicken” Links rumschwirren (müsste man mal überprüfen).
Es könnte also sogar aus SEO-Sicht durchaus Sinn machen sich ab und an mit “hier klicken” verlinken zu lassen. Und um den Bogen zu schliessen, sollte man das klugerweise an den Stellen tun, an denen man eine Aktion vom User erwartet.
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