Dark Web Terrorismusforschung und Google 3.0?
Im Artificial Intelligence Lab der University of Arizona werden im “Dark Web” Projekt Methoden erforscht und getestet mit denen Extremisten und Terroristen online identifiziert und verfolgt werden können. Eine Pressemitteilung der NSF (National Science Foundation) vom 10.09.07 gibt interessante Einblicke und lässt Rückschlüsse auch auf die zukünftigen Entwicklungen der “normalen” Suchmaschinen zu.

Finanziert wird das Projekt von der NSF (Urheber der Pressemitteilung) und weiteren Regierungsorganisationen. Das verfolgte Ziel ist das systematische Finden, Sammeln, Katalogisieren und Analysieren von allen Inhalten die von Terroristen im Web generiert werden.
Die Techniken die man hierfür benutzt und voranbringen will beinhalten unter anderem den Einsatz von Spidern, Linkanalyse, Inhaltsanalyse und Urheberschaftsanalysen sowie Methoden Inhalte nach emotionalen Zuständen (!) zu analysieren.
Eines der entwickelten Tools mit dem Namen Writeprint, extrahiert automatisch tausende multilinguale, strukturelle und semantische Merkmale um festzustellen wer online anonyme Inhalte erstellt. So kann beispielsweise ein Eintrag in einem Forum mit anderen Texten im Web verglichen werden und aufgrund der Analyse der Merkmale kann mit mehr als 95-prozentiger Sicherheit festegestellt werden ob der Autor bereits in der Vergangenheit weitere Inhalte veröffentlicht hat. Das System kann ebenfalls sowohl die Analysten alarmieren sobald neue Inhalte dieses Autors im Web auftauchen, als auch festellen wo im Internet diese Inhalte kopiert, verlinkt und diskutiert werden.
Innerhalb des “Dark Web Portals” wurden bereits 500.000 Webseiten von 94 amerikanischen Gruppen, 300.000 Webseiten von 41 arabisch-sprachigen Gruppen und 100.000 Webseiten von spanisch-sprachigen Gruppen gesammelt. Die Sammlung wird fortlaufend erweitert.
Weitere Laboranwendungen die betrieben werden sind
- das “Terrorism Knowledge Portal” (Terrorismus Wissensportal) in dem über 360.000 Newsartikel und verwandte Webseiten indexiertund in einer Datenbank gespeichert werden.
- der “Terrorism Expert Finder” (Terrorismus Experten Finder). Hier werden bibliographische Datensätze von Autoren gespeichert die mittlerweile ca. 35 Jahre zeitgenössischer Terrorismusforschung abdecken.
- und schließlich das “Terrorist Network Portal” in dem Biographien von Terroristen unter forensischen Gesichtspunkten gesammelt werden.
Weitere Informationen zu Zielen, Techniken, Finanzierung und zur Methodik kann man auf der Seite des AI Labs nachlesen. Es gibt sogar einen Demobereich in dem man sich Screenshots der Anwendungen ansehen kann.
Die Informationen haben einerseits natürlich einen politischen Aspekt und können mit den Entwicklungen und Ambitionen hier in Deutschland in Beziehung gesetzt werden. Ich muss zugeben, dass mir in diesem Kontext z.B. der Bundestrojaner als völlig hinterwäldlerisch erscheint. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass er deshalb harmlos wäre oder wir ihn deshalb hinnehmen müssten.
Der zweite Aspekt ist eine SEO-Sicht auf das Thema. Während wir hier noch diskutieren ob der Pagerank abgeschafft wird oder ob Google gekaufte Links erkennen kann, bekommen wir einen kleinen Einblick in Google 3.0. Wenn ich mir die Finanzierungssummen anschaue, die das AI Lab nennt, dann sind das Beträge die Google aus der Portokasse bezahlt und es gibt keinen Grund warum solche Technologien nicht auch auf andere “Zielgruppen” angewendet werden könnten.
Am Ende meines Posts weiß ich gar nicht was mir mehr Angst macht.
Die Vorstellung eines privaten Unternehmens mit Quasi-Monopolstellung und Zugriff auf die nötige Datenbasis, dass diese Techniken für seine Gewinnmaximierung einsetzt….
oder eine Regierung die unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung ihre Bürger nach Belieben durchleuchten und deren Bürgerrechte durchlöchern kann. (sigh)








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